DREI FRAGEN AN… Matthias Eyrich, Stadtwerke Eschwege

Sie treiben die Digitalisierung in der Niederspannung voran. Was sind Ihre Schwerpunkte?

Matthias Eyrich, Stadtwerke Eschwege, Technischer Service Strom. Foto: Stadtwerke Eschwege GmbH

Im Fokus steht für uns die Netzoptimierung, um die Netzeffizienz zu steigern und die Netzsymmetrie zu verbessern. Dazu zählt auch, potenzielle Netzengpässe im Voraus zu erkennen. Hintergrund waren unter anderem Netzunsymmetrien, die durch einphasige Wärmepumpen und PV-Anlagen entstanden sind. Dank der Messdaten, die wir mittels der GridCal Nodes von PSInsight in unseren Ortsnetzstationen erheben, konnten wir etwa gezielt die Phasenfolge in einigen Hausanschlusskästen verändern, um die Netzsymmetrie zu verbessern. Da Wallboxen und Wärmepumpen auch oft nicht angemeldet werden, fehlen Informationen in der Netzplanung. Durch die präzisen Daten aus den Nodes können wir das jedoch kompensieren, was die Netzplanungsgrundlagen optimiert.

Aktuell arbeiten wir mit PSInsight und unserem GIS/NIS-Hersteller daran, mit den Daten aus beiden Systemen einen digitalen Zwilling unseres Niederspannungsnetzes zu erstellen. So sollen Netzberechnungen für Planungszwecke oder Netzanschlussprüfungen vereinfacht und verbessert werden. Gerade wegen des Paragrafen 14a EnWG wird für uns auch das Thema Netzzustandsermittlung von Nie- derspannungsnetzen immer bedeutsamer.

Wie gehen Sie konkret vor?

Die ersten drei Trafostationen für die GridCal Nodes wählten wir danach aus, wo wir am ehesten Netzengpässe vermuteten. Da sich das durch die so erhobenen Netzdaten nicht bestätigte, passten wir 2023 unsere Rollout-Strategie an. Die nächsten Stationen wurden daher anhand der Bewertung verschiedener Netzgebiete mit Blick auf ihre Belastung und deren Niederspannungsnetz-Dimensionierung ausgewählt. So sollen bis Ende 2024 insgesamt 45 Ortsnetzstationen mit GridCal Nodes ausgestattet werden.

Wie viele Stationen es irgendwann sein werden, hängt maßgeblich vom Zubau von dezentralen Einspeisern und Verbrauchern ab. Dank der dezentralen Datenerfassung und -analyse der GridCal Nodes ist auch unsere eigene dezentrale Strategie überhaupt erst möglich. Hierzu messen wir Strom und Spannung des Transformators sowie von den Ortsnetz-Kabelabgängen, aus denen der GridCal Node Wirk-, Blind- und Scheinleistung berechnet.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihren Technologiepartner ausgewählt?

Bei der Auswahl legten wir nicht nur auf eine gute Aufbereitung und Vorabanalyse von Messdaten Wert. Wir wollten auch ein System, das wir selbst installieren und erweitern konnten, um für zukünftige Anforderungen gewappnet zu sein. Zudem haben für uns auch Sicherheit und Unabhängigkeit einen hohen Stellenwert, weshalb wir Lösungen über eine externe Cloud direkt ausschlossen. Zunächst gab es einen umfangreichen Systemvergleich, bei dem die engere Auswahl direkt in unserem Niederspannungsnetz getestet wurde. Die GridCal Nodes überzeugten am Ende in allen Punkten, weshalb wir uns für PSInsight als Technologiepartner entschieden. (pq)

www.stadtwerke-eschwege.de